Transformation oder Revolution von Schule? Was brauchen wir? Leuchttürme.

In jüngster Zeit werden die Stimmen laut, die eine Revolution im Schulsystem Deutschlands fordern (Richard David Precht, u.a.). https://www.cicero.de/kultur/wir-brauchen-eine-bildungsrevolution/51963

Begriffsursprung:
Entlehnung aus dem französischen révolution „Umdrehung, Umwälzung“,

In der Wirtschaft und in Unternehmen spricht man in Bezug auf die anstehenden Veränderungen in Unternehmen von “der großen Transformation” und verwendet den Begriff meist im Zusammenhang mit Digitalisierung und neuem Mindset.

Doch was bedeuten diese Begriffe eigentlich?

Ein Exkurs:

Revolution:

Wortbedeutung/Definition:
1) eine im Gegensatz zur Evolution sehr schnelle Umwälzung oder Neuerung auf wissenschaftlichem, künstlerischem oder sozialem Gebiet

2) die gewaltsame Änderung eines bestehenden gesellschaftlich-politischen Zustandes

Wir verwenden den Begriff oft im Zusammenhang mit der französischen Revolution 1789 oder die deutsche Revolution 1848. Jeder denkt in diesem Zusammenhang an eine gewaltsame (Ver)Änderung eines politischen System. Das neue hat mit dem alten meist nichts mehr gemeinsam. Es ist eher eine Art Gegenentwurf dessen.

Transformation:

Wortbedeutung/Definition:
1) Linguistik: Umformung, die an Sprachstrukturen oder auch an Syntagmen vorgenommen wird; zentraler Begriff der strukturalistischen und der generativen Grammatik

Der Transformator: Substantiv, maskulin - elektrische Maschine, mit der die Spannung eines Stromes erhöht oder vermindert werden kann

Jedes Kind bzw. Jugendlicher kennt auch “die Transformers”, mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Filmen und auch passendes Spielzeug dazu.

Weniger bekannt ist der Begriff Transformative Bildung: Sie generiert ein systemisches, interdisziplinäres Verständnis der Handlungsoptionen und Lösungsansätze, informiert z. B. über Innovationen, von denen eine transformative Wirkung zu erwarten oder bereits eingetreten ist. (siehe Wikipedia)

Ebenfalls wenig bekannt ist “Welt im Wandel - Gesellschaftsvertrag für die große Transformation” .Es ist der Titel des Hauptgutachtens des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) aus dem Jahr 2011. Es wurde im Vorfeld der Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung 2012 (Rio+20) erstellt.

Nachdem nun die Begriffe geklärt sind, wende ich mich wieder der Schule/ Bildung zu. Was brauchen wir hier? Ist es eine Revolution oder eine Transformation?

Meiner Meinung nach brauchen wir auf jeden Fall Veränderung - doch das bestehende System funktioniert in manchen Teilen gut, wenn auch sicher nicht flächendeckend. Wir haben wunderbare Leuchtturmschulen, die bereit sind für die Herausforderungen der Zukunft. Weniger gut sind die Bereiche Lehrerausbildung und Verwaltung/ System aufgestellt. Viele Prozesse laufen zu langsam; Ämter sind zum Teil noch nicht digitalisiert und haben veraltete Strukturen. Vielen Eltern und Politiker fehlt eine Vision von Schule.

Hier brauchen wir ebenfalls “die große Transformation” - besonders im Hinblick auf Digitalisierung, Arbeiten mit Vielfalt, Werteentwicklung und Partizipation sowie Individualisierung. Wir müssen das Neue aus dem Alten entwickeln - die guten Dinge behalten, andere anpassen und vielleicht auch einige Teile “revolutionieren” (allerdings ohne Gewalt). Die größte Schwierigkeit bei Transformationen sind nicht die Veränderungen im “Außen” sondern die damit verbundenen Veränderungen des “Innen” also der Haltung und des Mind Set. Hier brauchen wir sozusagen ein “neues Denken”, welches auf neuen Werten und Haltungen basiert. Als Beispiel eignet sich die von Jesper Juul beworbene “autoriative” Erziehung als Alternative zu autoritär und antiautoritär. Jesper Juuls Pädagogik basierte im wesentlichen auf vier Grundwerten: Gleichwürdigkeit, Integrität, Authetizität und Verantwortung. Die Hauptannahme, dass jedes Kind kooperieren will und kompetent ist und lediglich den Erwachsenen, Lehrer kennen lernen will und vor allem wissen will, wo dessen Grenzen sind, damit er mit ihnen kooperieren kann, war damals ganz neu. Kindern wurde unterstellt sie “testen Grenzen” der Erwachsenen, um sie zu überschreiten. Jesper Juul machte klar, dass Kinder ihre eigenen Grenzen erst kennen lernen müssen, in dem sie die Grenzen der Mitmenschen gesteckt bekommen, um so ihren eigenen Wirkungskreis zu kennen. In diesem Sinne hat auch Jesper Juul die Pädagogik/ Erziehung transformiert.

Mein Fazit: Im Bereich Schule von einer Revolution zu sprechen halte ich für übertrieben und verwende etwas vorsichtig auch den Begriff Populismus. Vielleicht ist es eine Art Strategie, um auf die Zustände aufmerksam zu machen?

Meine “Strategie” ist eine andere: Lehrer, Eltern und Schüler lernen von Vorbildern und brauchen gute BestPractice und neue Ideen, die bereits schon funktionieren. So bekommen sie positive Impulse und können intrinsische Motivation und Neugier entwickeln. Das sind die Triebfedern für Veränderung und Handeln.

Mit meinem Institut für Bildungsinnovation EducationINnovationARTelier setze ich genau hier an.

Packen wir es gemeinsam an. Wir erSCHAFFEN Schule.

Bettina Sarnes, Leitung EducationINnovationARTelier, Autorin Magazin BildungsKUNST