Brauchen wir mehr EhrZIEHung in der Bildung? - Ein Plädoyer für mehr BeZIEHung

Im Moment beginnt eine neue gesellschaftliche Diskussion zum Thema Bildung. Der Kinderpsychiater Dr. Winterhoff fordert in seinem neuen Buch die Abkehr der “Kuschelpädagogik” und ein mehr an Anstrengung. Sascha Lobo fordert im Spiegel Online ein “weniger Bildung - mehr Erziehung”. Doch ist es DAS, was wir brauchen und wenn nein: Was brauchen wir für unsere Bildung der Zukunft?

Wir brauchen die beste Bildung, um den Frieden auf der Welt zu sichern und unseren Wohlstand sowie unsere Umwelt zu bewahren. Besonders im rohstoffarmen Deutschland sind wir auf Innovation und Technologie sowie auf eine Weiterentwicklung der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit angewiesen. Hier ist das Talent eines jeden Bürgers gefragt - unabhängig von Alter, Geschlecht oder Nationalität und Bildungsgrad.

“Keine Bildung ohne Bindung” - so das Credo der Elementarpädagogen und geht es Ihnen nicht auch so? Denken Sie an Dinge, die sie besonders einfach und nachhaltig gelernt haben. Wie haben sie gelernt? Meist war es ein inspirierender Lehrer, ein passionierter Großvater, eine Mutter, die etwas besonders gut konnte oder ein anderer Mensch, der mit Ihnen eine besondere Beziehung aufgebaut hatte. Nur so können wir Inhalte nachhaltig lernen und auch behalten. Auch mit einem besonderen Ort, einer Musik, einem Gemälde oder einem Gebäude gehen wir eine “Beziehung” ein. Es sind auch Orte, die uns anders und neu denken lassen - denken Sie an die zahlreichen Think Tanks oder CoworkingSpace, die gerade überall auf der Welt entstehen. Schulgebäude sind hier noch weit davon entfernt. Sie bestehen zumeist aus geschlossenen Räumen und bieten wenig Raum für Ausstausch und Methodenvielfalt.

“Der Raum ist der dritte Erzieher” - so der Leitsatz der bekannten Reggio Pädagogik. Wir sollten und müssen hier weiterdenken und Schulen zu Orten der Collaboration und des Ausstausches umbauen oder ganz neu erschaffen.

Wir brauchen eine neue, eine andere Bildung - kein mehr und auch kein weniger! Bildung und Lernen muss Freude bereiten - das liegt in der Natur des Menschen. Es ist ein elementaren Grundbedürfnis des Menschen. Anders würden wir uns gar nicht weiter entwickeln. Für eine Zukunft mit New Work brauchen wir Strukturen, die einerseits individuellen Lernen ermöglichen und andererseits Collaboration, Zusammenarbeit und Austausch ermöglichen und fördern. Wir brauchen mehr Arbeit und Lernen mit Herz und Hand in Praktika und beim gegenseitigen Reflektieren. Wir brauchen eine andere Form des Feedbacks und der Rückmeldung, als die einfache Form der vergleichenden Notengebung. Sie fördert Einzelkämpfertum und Frusterlebnisse und bringt die falsche Form der Motivation. Schüler werden durch Selbstwirksamkeit und Sinnerfahrung intrinsisch motiviert - hier müssen wir ansetzen.

Antoine de Saint Exypéry fasst diese so dringend benötigte Motivation in einem wunderbaren Satz zusammen. Lernen wir und lehren wir mehr Sehnsucht nach Weite - dann brauchen wir keine Erziehung!

Bettina Sarnes, Lehrerin, Bildungsinnovatorin, Mutter von vier Kindern

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