Warum Fridaysforfuture alle Bildungsakteure nachdenklich und aktiv machen sollte?

Seit Monaten gehen tausende Schüler weltweit freitags auf die Straße, um für bessere Klimapolitik zu streiken. In Deutschland entwickelte sich, ausgehend von Christian Lindner, die Debatte in Richtung “Schüler sollen außerhalb der Schulzeit streiken”. Es herrsche in Deutschland (einem der wenigen Länder Europas) Schulpflicht und Schüler dürfen daher in der Schulzeit nicht streiken - so die einheitliche Meinung der Afd, Teilen der CDU/CSU sowie der FDP.

Doch es stellt sich in meinen Augen eine ganz andere Frage: “Warum ist den Schülern das Fernbleiben der Schule zugunsten des Klimastreiks wichtiger?”. Viele der Skeptiker beantworten diese Frage mit dem reinen Wunsch der Schüler nach Stundenausfall - doch Umfragen beweisen das Gegenteil. Die meisten der Streikenden sehen mehr Sinn im Streik, als im Schulbesuch. Sie erfahren Aufmerksamkeit, Resonanz und Selbstwirksamkeit. Das sind einige der Gründe, weshalb Schule auch nicht so attraktiv für sie ist.

In meinen Augen wäre die Konsequenz für Lehrer, Schulgestalter und auch für die Politik das System zu überdenken und neue Lehr- und Lernkultur, sowie offenere Formate in Schule zu implementieren. Warum folgen die Lehrer nicht dem Interesse der Schüler und verlegen ihren Unterricht als Exkursion direkt auf die Straße? Warum setzen sie nicht am Interesse der Schüler an und nutzen die intrinsische Motivation, die den größten Lerneffekt hat? Warum überwiegt bei Politikern die Skepsis bin hin zur Verschwörungstheorie statt der Impuls Dinge zu verändern, oder froh über das oft als fehlend bemängelte politische Engagement der Schüler zu sein?

Man könnte feststellen:

  • Schüler von heute engagieren sich mehr in politischer Hinsicht als erwartet

  • Schüler fordern und werden laut, sie wollen mehr Partizipation und Mitspracherecht

  • Das Wahlalter sollte überdacht werden

  • Schüler können sich sehr gut vernetzen und die digitalen Tools nutzen

  • Schüler organisieren Bewegungen sehr gut und strukturieren sie basisdemokratisch und global

  • Bewegungen brachen authentische Vorbilder

Es wird Zeit, dass die Generationen zusammenarbeiten, gemeinsam nach Lösungen suchen und sich zusammen der großen Aufgabe der Zukunft stellen. Hierzu bringt die ältere Generation die Erfahrung und das Wissen und die junge Generation den Willen und die Vernetzungskompetenz sowie die digitale Kompetenz. Nutzen wir das!

Bettina Sarnes, Scientist4future, Entrepreneurs4future, Educatorsforfuture

Zum Thema: FFF-Was nun? organisiert die Heinrich Böll Stiftung im Juli eine Veranstaltung in Stuttgart.

Mehr unter: http://www.boell-bw.de/veranstaltungen/dokumentation-2019/alumniforum/