Zur Sache: #fridaysforfuture

Seit mehreren Monaten gehen freitags Schüler aus de ganzen Land - ja auf der ganzen Welt - zum Streik für besseres Klima auf der Erde. Die einzelnen Ministerien der Bundesländer reagieren vielfältig. Von drohenden Einträgen über unentschuldigte Fehlzeiten im Zeugnis bis zu der “Androhung” der Durchsetzung der Schulpflicht, wie auch immer das in der Praxis aussieht. Die Lehrer sind verunsichert. Lassen sie das Fehlen “durchgehen” oder lassen sie dem Fehlen Maßnahmen folgen.

Was machen und wie damit umgehen?

In Deutschland hat jeder Arbeitnehmer das Recht zum Streik. Die Gewerkschaften planen und terminieren die Streiks ganzer Branchen. Doch Schülern wird dieses Recht verwehrt? Ist Schule ein Gefängnis, in dem der Schüler nicht alle Rechte hat oder sind die meist minderjährigen Schüler nicht dazu berechtigt? In Karlsruhe und Stuttgart gab es vor Kurzem einen Kinderstreik für bessere Kitas unterstützt von der konzept-e GmbH für Kindertagesstätten. Mehrere hundert Kinder gingen vormittags mit Plakaten auf die Straße. Was ist der Unterschied zu den Streiks am Freitag? Fällt nicht auch in der Kita Zeit für Bildung aus, wenn die Kinder streiken?

Warum fordern wir und implementieren in das “Kinderrecht” das Recht auf Partizipation? Warum klagen wir die junge Generation an, zu wenig Verantwortung zu übernehmen?

Ich glaube die jungen Streikenden legen den “Finger in unsere Wunde”. Da, wo wir nicht genug Engagement und politische Kraft gezeigt haben, fordern sie es ein und erheben ihre Stimme - und das tausendfach und ausdauernd.

Wäre es nicht wunderbar, wenn Politik und Gesellschaft hier das Zeichen geben könnten: “Euer Streik zeigt Wirkung - wir erlassen neue Gesetze und handeln!”. So wissen Schüler, dass ihre politische Teilhabe nicht nur in einem Wählerkreuz (ab 16 Jahre) besteht, sondern dass jeder einzelne die Kraft zur Veränderung hat! Ist es nicht wunderbar, wenn Schüler sich gemeinsam mit uns und ganzen Parteien, wie den Grünen für ein gesünderes Klima und die Rettung des Planeten einsetzen?

Einige sehr wenige Politiker äußern sich zu den Streiks: “Hängt die Fehlzeiten im Zeugnis neben die Ehrenurkunde von den Bundesjugendspielen und seid stolz darauf” sagte der Grünen Politiker Robert Habeck jüngst auf einer Veranstaltung in Böblingen.

Man könnte von den Ministerien fordern: Teilnahme mindestens einmal im Jahr an einem Streik der Wahl ist ein Engagement auf politischer und gesellschaftlicher Ebene und erweitert die Perspektive der Jugendlichen! Im Nachgang kann der Lehrer die Erlebnisse mit der Klasse reflektieren. Die Schüler lernen sich zu positionieren und für eine Sache mit ganzer Kraft einzusetzen.

Was wäre passiert, wenn die Schüler an den Streiks von Unteilbar oder Pulse for Europe teilgenommen hätten?

Ich glaube an die Kraft des gemeinsamen Streiks - auch an den Schülerfreitagsstreik für das Klima und ermutige hier gerne jeden einzelnen Schüler weiterzumachen - gerne auch für bessere Bildung zu streiken.

Bettina Sarnes, Lehrerin, Leitung Institut für Bildungsinnovation, Redaktion Magazin Bildungskunst, Mutter von 4 Kindern