Interview zum Thema "25.000 Euro für jede Schule - wie nachhaltig investieren?"

Der jüngste Digitalpakt spricht jeder Schule ein Budget von 25.000 Euro zu, um Schulen technisch weiter auszustatten. Was bedeutet das?

Interview des Magazin Bildungskunst mit Bettina Sarnes, Leiterin des EducationINnovationARTelier - Institut für Bildungsinnovation

Magazin: Was halten Sie vom neuen Digitalpakt?

Bettina Sarnes: Der Digitalpakt ist soweit ok - er kommt zu spät - aber erscheint zu kommen. Wichtig sind allerdings die Bedingungen. Wenn eine Schule nun sinnlos in neue Geräte investiert ist damit nicht viel gewonnen und die analoge Schule wird einfach digitaler.

Magazin: Was fehlt im Pakt?

Bettina Sarnes: Der Pakt lässt den Schule zu wenig Freiraum in der Investition. Einige Schulen haben nicht einmal WLAN Anschluss - andere sind bereits viel weiter und haben bereits fertige Konzepte und wieder andere haben ein Kollegium aus “Digitalen Skeptikern”. Demnach braucht jede Schule etwas anderes - von allem aber Zeit, um sinnvolle Konzepte in partizipativer Weise gemeinsam zu entwickeln.

Magazin: Was brauchen Schulen dafür?

Bettina Sarnes: Dazu brauchen Schule externe, professionelle Prozessbegleiter, die den Digitalisierungsprozess achtsam begleiten, um einen nachhaltigen Mehrwert für alle zu schaffen. Ebenso brauchen wir Budget, um die Lehrer in Bezug auf collaborative, digitale Tools weiter zu bilden und vor allem brauchen wir in jeder Schule ein gemeinsames Bewusstsein zu dem Thema: Wie wollen wir der Digitalisierung begegnen und welche Lern- und Lehrkultur brauchen wir dazu? Welche Möglichkeiten eröffnen digitale Lernplattformen, Social Media sowie die moderne Kommunikation? Diese Fragen können von den meisten Kollegien noch gar nicht beantwortet werden, da sie noch viel zu wenig über die digitalen Möglichkeiten wissen.

Magazin: Also brauchen wir auch eine neue Art der Lehrerfortbildung?

Bettina Sarnes: Auf jeden Fall. Die Lehrerfortbildung wird in den meisten Ländern über ländereigene Lehrerfortbildungsinstitute geregelt. Die Lehrer werden also von Lehrern fortgebildet. Es gibt kein “Out of the box” Denken und moderne Inspiration aus Wirtschaft und Politik bleiben leider viel zu oft aus. Hier bietet sich Zusammenarbeit mit außerschulischen Instituten an wie z.B. der Lernkulturzeit oder dem EducationINnovationARTelier.

Magazin: Wie sieht eine solche Zusammenarbeit aus?

Bettina Sarnes: Die Schulen müssen diese Fortbildungen selber zahlen. Manche Lehrer sind bereit für eine moderne, qualitativ hochwertige Fortbildung selbst zu bezahlen. Das zahlt sich aus. Ich selbst bilde mich zur Zeit zum integralen Schulentwickler aus und gewinne dadurch Weitblick, neue Perspektiven und innovatives Wissen.

Magazin: Können Sie die Einwände von Ministerpräsident Kretschmann aus Baden Württemberg gegen den Pakt verstehen?

Bettina Sarnes: Zum Teil. Ich finde Schulen und auch das Land braucht in der Verteilung maximalen Freiraum. Es muss möglich sein Schulen, die bereits weit digitalisiert sind weniger zu unterstützen und andere mehr. Ebenso brauchen wir zeitliche Flexibilität. Das das eine neue Diskussion zum Thema Bildungsföderalismus öffnet, wie es die Bildungsministerin Karlicek interpretiert finde ich nicht. Wir sollten die Bildung und das gesamte System gründlich neu strukturieren, denn wir brauchen maximale Unterstützung auch von Seiten der Wirtschaft, Eltern und der Politik und Gesellschaft. Der Bildungsföderalismus hatte bei deren Einführung einen anderen Sinn, den es heute meiner Meinung nach nicht mehr gibt. Das System würde kostengünstiger und transparenter, wenn wir einheitlich bilden. Zudem hätte jeder Schüler im Land die gleichen Chancen und Abschlüsse würden vergleichbar. Heute wird hier mit Boni und Malus gearbeitet - das versteht kein Bürger!

Magazin: Wir danken Ihnen für das Interview.

Bettina Sarnes, Gründerin und Leitung EducationINnovationARTelier, Lehrerin, Dozentin, Bildungsinnovatorin, Mediatorin und Mutter von 4 Kindern

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