#Fridaysforfuture schon jetzt ein Best Practice

Seit Monaten gehen Jugendliche zum Streik von #fridaysforfuture. Am letzten weltweiten Streik in Stuttgart war ich dabei und konnte mir ein eigenes Bild machen. Mehr als 3000 Menschen zogen friedlich durch die Innenstadt und machten zwei Stopps vor dem Rathaus und auf dem Schloßplatz. Hier kamen Redner von #scientistsforfuture, der grünen Jugend, der demokratischen Stimme der Jugend, S21 Aktivisten, sowie der Bürgermeister Herr Kuhn zu Wort. Die Stimmung war friedlich. Bunte selbstgemachte Pappplakate ragten zum Himmel und wurden von den Rufen: “Wir sind bunt, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut” begleitet. Es waren ca. 4/5 Schüler und Studenten. Der Rest waren Lehrer, Eltern, Scientists und Interessierte.

Längst ist diese Jugendbewegung übergeschwappt auf die ganze Gesellschaft - und das nicht nur in Deuschland/ Europa sondern auf die ganze Welt. Millionen junger Menschen für eine Sache an einem Tag - das gab es in der Geschichte noch nie. Grund genug, um sich als Bürger, Gesellschaft und natürlich auch als Politiker zu fragen, ob hier im Land bzgl. Klima alles so richtig läuft? Keine der Parteien hat ein ausreichend zielgerichtetes Programm, welches das Klimaschutzabkommen auch zum Abkommen werden läßt. Da sind sich die Schüler und die Scientists einig. Neue Gruppen, wie die parents, teachers, Entrepreneurs und Artists bilden sich und vernetzen sich. Ein Vorgang, der ohne Internet und Social Media nicht möglich war. Dadurch wird die Bewegung global und nimmt die ganze Gesellschaft mit - wie wunderbar. Und in diesem Bereich machen uns die Schüler vor, wie man das Netz und die Medien auch für eine gute Sache nutzen kann. Es entsteht so die erste “digaloge” Bewegung, die sich im Netz vernetz und dann analog auf der Straße zeigt.

Waren die 68er Demonstrationen meist auf Deutschland beschränkt und auch auf eine bestimmte Gruppe, formiert sich hier eine globale Bewegung - die meisten von ihnen politikverdrossen und partizipationsgierig.

Die Politik reagiert spärlich: Herr Lindner schlägt einen Klimatag in Schulen vor und möchte nicht, dass in der Schulzeit gestreikt wird. Frau Kramp Karrenbauer merkt an, dass sie ihre eigenen Kinder nicht für einen Streik entschuldigen würde und Angela Merkel zollt den Schülern Respekt. Eine Politikerrunde zum Thema Klima wurde bereits gegründet - bleibt zu Hoffen, dass Taten folgen.

Die AfD schürt Verschwörungstheorien: Greta Thunberg, die junge Initiatorin aus Schweden, soll der Grund für den Anschlag in Neuseeland sein. Die Gruppe der Klimaaktivisten gerät in den Blick der Klimakrisenleugner. Das war schon immer so, wenn sich “mächtige”, personenstarke Gruppen lautstark präsentieren - doch nie hat eine Partei aus dem Bundestag so abwertend darüber geredet wie die AfD.

Auch die Journalisten und Printmedien reagieren verhalten. Auf der Pressekonferenz der Scientistsforfuture in Berlin sitzen nur einige wenige Journalisten. In den Zeitungsberichten wird oft von wenigen hundert Menschen (wenn es in Wirklichkeit - wie in Stuttgart - nach Polizieangaben mehrere Tausend waren. Hat die Presse nicht verstanden, dass auch Sie ein wichtigen Einfluss auf die Veränderung und deren Geschwindigkeit zu Thema Klimapolitik haben? Wo bleibt ihre Verantwortung?

Ich selbst bin Lehrerin und unterstütze die Streiks, in dem ich selber teilnehme - auch an den CleanUp Aktionen und den Kleidertauschbörsen. Ich finde es gut einen Schultag gewählt zu haben, um mehr Aufmerksamkeit und Druck aufbauen zu können. Den Kritikern sei gesagt: “Sollten sich die Initiatoren mal für einen Ferientag oder einen Samstag entscheiden - dann kommen sicher noch mehr Menschen und die ganze Misere der Klimapolitik und die Abgehobenheit der Politiker wird sichtbar werden”.

Das ist gut so und lässt hoffen, dass sich in Zukunft so einiges grundlegend ändern wird.

Bettina Sarnes